Ziele der UBS und der aktuelle Verlustfall

Als Oswald Grübel im Februar 2009 sein Amt als neuer CEO der UBS antrat, tat er dies u.a. mit folgenden Zielen: Die UBS sollte ihre ursprüngliche Reputation wieder erlangen, sich künftig wieder vor allem auf das Kundengeschäft konzentrieren und so umgebaut werden, dass das, was in der Vergangenheit passierte, sich nicht wiederholen würde. Im Rahmen dieses Umbaus versprach er auch, das Risikomanagement der Bank massiv zu verstärken.

Ende 2009 kommunizierte er der Öffentlichkeit das ehrgeizige Ziel der UBS, bis frühestens 2012, spätestens bis 2015 einen Vorsteuergewinn von 15 Mia. CHF erreichen zu wollen. In diesem Zusammenhang erstaunte er im Oktober 2010 mit der Aussage, dass die UBS im Investment-Banking wieder mehr Risiken eingehen müsse, um in die hohen Gewinnsphären mit einer Eigenkapitalrendite zwischen 15% und 20% zurückkehren zu können; nachdem es gerade diese Sparte war, welche die UBS im Jahr 2008 in argen Notstand gebracht hatte.

Knapp ein Jahr später macht die UBS mit eben diesem Geschäftsbereich wiederum negative Schlagzeilen. Ein ehemaliger Informatikstudent mit ein paar Jahren Backoffice-Erfahrung tätigt im Investment-Banking Geschäfte im Umfang von mehr als 10 Mia. $ und beschert der Bank damit einen Verlust von 2.3 Mia. $. Damit rückt der risikoreiche Eigenhandel, den die Banken vor allem zur Verbesserung ihrer Geschäftsergebnisse betreiben, einmal mehr ins Rampenlicht. In der Krise von 2008 resultierten bei vielen Banken in diesem Bereich sehr hohe Verluste, so dass US-Präsident Barack Obama damals die Absicht hatte, in einer konzertierten Aktion zusammen mit Europa den lukrativen Eigenhandel sogar gänzlich zu verbieten. In weiser Einsicht reduzierten zahlreiche Banken nach 2008 zunächst ihr Eigenhandelsgeschäft deutlich, verdienten dann aber bereits im Jahr 2009 wieder kräftig damit. Vor dem Hintergrund all dieser Erfahrungen und der Tatsache, dass die Bank of England sowie der Financial Stability Board in diesem Jahr in zwei unabhängigen Studien die Produkte, mit welchen der UBS-Händler Kweku Adoboli gehandelt hat, aufgrund ihrer Intransparenz als Gefahrenherd bezeichnet haben, erstaunt dieser aktuelle Verlustfall der UBS umso mehr! Wie ist ein solcher Verlustfall im Eigenhandel der UBS trotz der hehren Ziele, sich wieder vor allem auf das Kundengeschäft zu konzentrieren und das Risikomanagement massiv zu verstärken, möglich? Widerspiegelt dieser Fall das von Oswald Grübel angesprochene notwendige höhere Risiko im Investment-Banking? Der Verlust von 2.3 Mia. $ steht einem im Jahr 2010 erwirtschafteten Vorsteuerjahresertrag der UBS-Investmentbank von 2.2 Mia. CHF gegenüber. Auf diese Weise und unter Berücksichtigung der hohen Kosten des Investment-Bankings dürften sich die höheren Gewinnsphären wohl kaum erreichen lassen.

Solche Vorfälle schaden nicht nur der Reputation der UBS sondern auch dem Vertrauen der Öffentlichkeit in den Selbstregulationswillen und die –fähigkeit der ganzen Branche.

One comment

  • 1
    21. August 2015 - 06:21 | Permalink

    Ein sehr treffender Artikel. Aktien- oder udegneckte Anleiheninvestments im europe4ischen Bankensektor sind zur Zeit nur etwas ffcr sehr sehr Mutige. Audfer den Top-Adressen werden wir wohl noch weitere offene oder verdeckte Verstaatlichungen erleben. Finanzinstitute und insbesondere kommerzielle Banken sind per se schon Achillesfersen einer Volkswirtschaft und derzeit vielfach harte Sanierungsfe4lle. Aus meiner Sicht reichen die Bemfchungen zur Stabilisierung und Sanierung des Bankensektors in Europa seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers bei weitem nichts aus, um den europe4ischen Bankensektor in toto zu sanieren. Leider hat die handelnde europe4ische Politik aus meiner Sicht den Ernst der Lage und die Gewaltigkeit des Problems immer noch nicht erkannt. Und das Bankensystem heilt sich selbst zu wenig aus sich selbst heraus, im Gegenteil. Es fehlt hier vielfach nachhaltiges Unternehmertum mit persf6nlichen Haftungen. Es sind grodfe Sanierungsmadfnahmen notwendig, die fcber das bisherige hinausgehen mfcdften. Und wo ist die Entschlossenheit und Umsetzung? Die weitverbreitete Salamie-Taktik auf EU und nationalen Ebenen verschlimmert die Lage, siehe beispielsweise der nun seit fcber 2 Jahren anhaltenden griechische Exodus. Und es fehlt leider auch das Verste4ndnis in der Politik, dass die wirtschaftlichen Risiken von Banken oder auch Anlageinvestments nicht komplett wegzuregulieren sind. Volkswirtschaften brauchen Kapital zum Leben und Wachsen, riesige Mengen sind ja bereits schon aus dem Geldkreislauf ffcr die europe4ische Volkswirtschaft abgeflossen und werden volkswirtschaftfeindlich allokiert. Ich ffcrchte nicht nur den Credit Crunch, sondern auch den Cash Crunch in Europa und eine mittelfristige deflatorische Entwicklung auf gesamtvolkswirtschaftlicher Ebene mit teilinflatione4rer Entwicklung bei ausgewe4hlten Material- und Vermf6gensgfctern in Europa. Das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem wird zu wenig in seiner Gesamtheit auf politscher Ebene verstanden, auf wirtschaftlicher Ebene gelebt und nachhaltig an einer Verbesserung ganzheitlich gearbeitet. Hier sollte meines Erachtens mehr Elemente von genossenschaftlichem Charakter als Staats- oder Kapitalcasino-Charakter aufgenommen werden. Die zuse4tzliche Regulierung bringt Teilerfolge, lf6st aber m.E. nicht die grodfen, faulen Wurzeln im europe4ischen Bankensystem. Mir fehlen dazu in der d6ffentlichkeit und bei den Entscheidungstre4gern in Politik und Wirtschaft sowohl Mut als auch ein strategisches, nachhaltiges Gesamtkonzept zur Lf6sung der nun schon seit Jahren andauernden Strukturprobleme. Die Entwicklungen sind zum Teil vergleichbar mit Japan seit den 90er Jahren, wo als Beispiel der Nikkei seit Ausbruch der Krise Anfang der 90er Jahre bis heute ca. 80% verloren hat und auch zur Zeit nicht wirklich eine positive Perspektive hat.

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