Angriff von Hedge-Fonds auf den Schweizer Franken

Aufgrund der starken Überbewertung des Schweizer Frankens und den davon ausgehenden Gefahren für die Schweizer Wirtschaft hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang September dieses Jahres ein Euro-Franken-Mindestkursziel von 1.20 festgelegt, welches sie mit aller Konsequenz durchzusetzen gedenkt.

Der Devisenmarkt ist mit einem täglichen Handelsvolumen von rund 4000 Mia. $ der grösste Markt der Welt. Das tägliche Handelsvolumen des Währungspaares USD/Euro macht dabei einen Anteil von 28% bzw. 1101 Mia. $ aus, dasjenige des Euro/CHF einen solchen von 2% bzw. 72 Mia. $ und dasjenige des USD/CHF 4% bzw.168 Mia. $. Im August 2010 sind die Devisenanlagen der SNB innerhalb eines Monats um über 50% auf insgesamt 281 Mia. CHF angestiegen; leider praktisch ohne Wirkung. Diese Deviseninterventionen hinterlassen aber auch in der Bilanz der SNB ihre Spuren: Im gleichen Monat hat die Bilanzsumme um 116 Mia. CHF auf 365 Mia. CHF zugenommen. Wird das Ausmass der Bilanzsumme ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) gesetzt, ergibt sich ein Wert von 66%, was auch im internationalen Vergleich sehr hoch ist. So macht beispielsweise die Bilanzsumme des amerikanischen Fed nur 19% des amerikanischen BIPs aus. Diese Zahlen verdeutlichen, welche Anstrengungen die SNB am Devisenmarkt unternehmen muss, um das gesetzte Mindestkursziel einhalten zu können.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil des spekulativen Handels durch Hedge-Fonds und ähnliche Investoren in den letzten Jahren überproportional zugenommen hat. Machte dieser im Jahr 1995 noch keine 500 Mia. $ aus, so betrug er 2010 fast 2000 Mia. $, was 50% des gesamten täglichen Handelsvolumens entspricht. Diese internationalen Hedge-Fonds haben das Mindestkursziel der SNB ins Visier genommen und versuchen es, mit Wetten auf den Schweizer Franken anzugreifen. Da der Schweizer Franken eine vergleichsweise kleine Währung ist, und Hedge-Fonds von den Geschäftsbanken mit relativ geringem Kapitaleinsatz hohe Kredite erhalten, sind ihre Möglichkeiten den Devisenmarkt zu beeinflussen, nicht zu unterschätzen. Diese Hegde-Fonds sind davon überzeugt, dass die SNB den Euro-Franken-Kurs langfristig nicht wird stützen können. Gemäss Axel Merk, dem Gründer des Währungsfonds MerkFunds, verfolgen die Spekulanten damit folgendes Ziel: „(…) letztlich wollen sie wie alle nur Geld verdienen.“ (Axel Merk, in: Eco, 3.10.2011).

Sollte sich das Mindestkursziel der SNB tatsächlich nicht Aufrecht erhalten lassen, hätte das katastrophale Folgen. Nicht nur, dass die SNB dadurch substanzielle Verluste erleiden würde, auch ihre Glaubwürdigkeit würde stark in Mitleidenschaft geraten, was sich in Zukunft wiederum negativ auf die Geldpolitik auswirken könnte. Hinzu kämen aber auch realwirtschaftliche Folgen. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Anteilen des Aussenhandels am Bruttoinlandprodukt. 59% aller Exporte haben ihre Zieldestination in EU-Ländern. Damit würde auch das Deflationsrisiko für die Schweiz steigen. Die Folgen einer allfälligen Deflation wären ein Nachfragerückgang nach Investitions- und Konsumgütern, steigende Arbeitslosigkeit sowie eine Reduktion der Einkommen und dadurch der Steuereinnahmen des Staates. Ausserdem lehrt uns die Geschichte, dass eine einmal begonnene Deflationsspirale nur schwer zu durchbrechen ist.

Stellt man diese Folgen dem Ziel der Spekulanten, wie alle nur Geld verdienen zu wollen, gegenüber, muss doch unweigerlich die Frage aufgeworfen werden, ob der Preis den andere für dieses Ziel zu zahlen hätten, tatsächlich zu verantworten wäre.

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