TV-Spot gegen Wirtschaftskriminalität an der Wall Street

Michael Douglas, der 1987 im Film „Wall Street“ den Corporate Raider Gordon Gekko spielte, welcher sich zu seinen eigenen Gunsten ohne jegliche Skrupel Insiderinformationen bediente, tritt derzeit erneut als geläuterter Gordon Gekko in einem TV-Spot auf. Darin prangert er den Insiderhandel als kriminellen Akt an und fordert die Banker auf, entsprechende Verdachtsmomente dem FBI zu melden.

Dieser TV-Spot ist Teil einer der grössten Aktionen gegen Wirtschaftskriminalität in der Geschichte der Wall Street. Das FBI hat zurzeit bereits 240 Broker, Trader und Mitarbeiter von Hedge Fonds im Visier. Gerade in der Hedge Fonds-Branche hat sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahren stark intensiviert, weshalb es offensichtlich immer schwieriger wird, sich auf rechtmässigem Weg einen Konkurrenzvorsprung zu verschaffen und deshalb Insidervergehen zunehmen. Um es in den Worten von Gordon Gekko zu sagen: „The movie was fiction, but the problem is real.“ Und dies muss der Finanzbranche erst mit Hilfe eines TV-Spots verdeutlicht werden?!

Das Ausmass dieser Insiderproblematik und die Tatsache, dass sich das Justizministerium und das FBI in der Verfolgung dieser Insiderdelikte Unterstützung durch einen solchen TV-Spot versprechen, veranschaulichen, dass die Annahmen der Effizienz und der Selbstregulierung der in der Ökonomie vorherrschenden Theorie der freien Märkte in der Praxis offensichtlich nicht richtig sind. Die bisher weitgehend unregulierte Hedge Fonds-Branche ist mit ihren meist over-the-counter abgewickelten Geschäftstransaktionen zu einer intransparenten, verschwiegenen und von Wirtschaftskriminalität durchzogenen Welt geworden und damit weit entfernt von einem effizienten und sich selbst regulierenden Markt. Obwohl das neoliberale Modell der Chicagoer Schule gegenüber Interventionen des Staates in ökonomische Angelegenheiten sehr skeptisch ist, sind im vorliegenden Fall regulatorische Massnahmen unumgänglich.

One comment

  • 1
    Boris Schneider
    5. April 2012 - 11:04 | Permalink

    Liebe Frau Maranghino-Singer

    Eine treffliche Analyse, Kompliment. Nur verstehe ich nicht, warum Sie im letzten Satz ihre Aussagen mit Bezug auf das doch offensichtlich überholte und in gescheiterte “neoliberalen Modell der Chicagoer Schule” rechtfertigen. Nur eine rasche und völlige Abkehr eben gerade von dieser Schule kann uns jetzt noch helfen. Ich danke Ihnen und Ihren Kollegen für diesen Blog und dafür, dass endlich auch aus der Lehre kritische Stimmen zum Status Quo einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Finance-Industrie kommen.

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