UBS-Manager bestätigt risikofreudige Kultur der Bank

Phil Allison, Head of Global Cash Equities der UBS, bestätigte gegenüber der Verteidigung von Kweku Adoboli, dass unter dem vormaligen CEO Oswald Grübel ein Gesinnungswandel („a change of ethos“) gefördert wurde, der die Mitarbeiter zum Eingehen höherer Risiken ermutigte. Er habe den Eigenhandel und die Risiken forciert, um den Gewinn zu erhöhen. Die UBS sei während der Krise 2008 risikoaverser geworden und Grübel habe versucht, die Risikofreudigkeit wieder in die Kultur der UBS einzuführen. Rückblickend wünscht sich Allison, die Bank hätte ihre Risikolimiten klar niedergeschrieben und dokumentiert. Ein anderer UBS-Mitarbeiter, der von New York aus für die Betreuung des Handelsdesks von Adoboli zuständig war, äusserte in einem Interview nach dessen Festnahme, dass er über die Höhe der Risiken, die von Londons Tradern eingegangen worden seien, überrascht war. Viele dieser Risiken hätten ihren Ursprung im Eigenhandel der Bank gehabt. (Vgl. Fortado, L.: Gruebel Brought UBS Change of Ethos on Risk, in: San Francisco Chronicle, 25.9.2012.)

Kurz zur Erinnerung: Im Oktober 2008 wurde die UBS mit 68 Mia. CHF Staatsgeldern vor dem Konkurs gerettet; im Februar 2009 trat Oswald Grübel sein Amt als neuer CEO der UBS an und kommunizierte u.a. als Ziele, die UBS müsse sich in Zukunft wieder vor allem auf das Kundengeschäft konzentrieren und das Risikomanagement der Bank solle massiv verstärkt werden. Sollten die Aussagen von Phil Allison tatsächlich zutreffen, hätte Oswald Grübels öffentliche Kommunikation 2009 nicht seinen internen Forderungen entsprochen. Nach aussen hätte sich die UBS wieder vermehrt auf das Kundengeschäft konzentrieren sollen; nach innen wurde jedoch auch wieder mehr Eigenhandel gefordert. Nach aussen hätte das Risikomanagement massiv verstärkt werden sollen, nach innen schienen nicht einmal die Risikolimiten schriftlich niedergeschrieben gewesen zu sein und es sollten wieder höhere Risiken eingegangen werden. Erst im Oktober 2010 erstaunte Oswald Grübel dann die Öffentlichkeit mit seiner Aussage, dass die UBS im Investment-Banking wieder mehr Risiken eingehen müsse, um in die hohen Gewinnsphären mit einer Eigenkapitalrendite zwischen 15% und 20% zurückkehren zu können. Intern schien dies aber offensichtlich schon lange beschlossene Sache zu sein. Am 24. September 2011 trat Oswald Grübel mit sofortiger Wirkung zurück und übernahm damit – gemäss seinen eigenen Worten – die Verantwortung für den von Kweku Adoboli verursachten Verlust von CHF 2.3 Mia. $.

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger liess darauf in einem Interview mit der NZZ am Sonntag verlauten: „Sicher ist: Die Investmentbank muss ihre Komplexität verringern, mit weniger Kapital auskommen und ihre Risiken zurückfahren. Wir müssen auf das fokussieren, was die Kunden wirklich brauchen (…).“ Die UBS scheint in den drei Jahren unter Oswald Grübel irgendwie nicht viel weiter gekommen zu sein.

Sie ist als global agierende Universalbank mit einem nicht unbedeutenden Investment-Banking dem international gnadenlosen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Sollte es tatsächlich der Markt mit seiner Konkurrenz sein, der es einzelnen Finanzinstituten nicht mehr erlaubt, ihre Strategie in angemessener Zeit sinnvoll zu verändern, dann dürfte wohl das System ausser Rand und Band geraten sein. Die fortwährend hohen Wachstums- und Renditeziele der Finanzbranche führen offensichtlich zu fragwürdigen und sehr risikoreichen Strategien, welche die Systemstabilität gefährden. Die Branche würde gut daran tun, sich wieder vermehrt auf Stabilität zu konzentrieren, anstelle nur den masslosen Wachstums- und Renditepfad zu verfolgen, der Ausgangspunkt für die grösste Wirtschaftskrise seit den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts ist. Das Beispiel der UBS zeigt stellvertretend, dass die Finanzbranche offensichtlich grosse Mühe hat, sich selbst zu begrenzen, weshalb entsprechende Regulierungen unumgänglich sind.

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