Problematische Verbriefungen bei der UBS

Mitte September 2012 schien der strukturierte Kreditmarkt in den USA innerhalb einer Woche mit Emissionen im Umfang von über 15 Mia. $ förmlich zu explodieren. Verbriefungs-Analysten rechnen damit, dass die Ausgabe von US Asset-Backed Securities dieses Jahr mehr als 200 Mia. $ betragen dürfte, was dem höchsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise entsprechen würde. 2011 betrug das Volumen noch 128 Mia. $ und 2010 135 Mia. $.

Aber nicht nur das Emissionsvolumen steigt wieder, sondern auch die damit verbundenen Risiken. Am Beispiel der Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS), Wertpapieren, die durch die Verbriefung von Hypothekardarlehen auf kommerziellen Immobilien entstehen, zeigt sich, dass die darin enthaltenen Immobilien bedeutend riskanter geworden sind. So tauchen beispielsweise in einem von UBS und Barclay aufgelegten CMBS Hypothekardarlehen für regionale Einkaufszentren in zweitklassigen US-geographischen Märkten auf, die als äusserst fragwürdig erscheinen. Der Head CMBS-Investing eines der grössten US-Asset Managers beurteilt dies wie folgt: „ All it takes is for one mall to go bad, and the B-piece buyer on the transaction is wiped out,“ und Christopher Sullivan, Chief Investment Officer der United Nations Federal Credit Union (UNFCU) meint: „Investors mainly understand they’re not being adequately compensated for risk, but then they’re afraid of not being in the game because there’s just no other viable way to perform. And so it goes, until it ends.” (Quelle: Reuters, 14.8.2012)

Aber auch für die Platzierung von CMBS schlechter Qualität wird im Finanzsektor auf “alt-bewährte” Hilfsmittel zurückgegriffen. So plant die Deutsche Bank zum Beispiel durch Umverpacken aus mit BBB bewerteten Commercial Mortgage Bonds (CMB) A-CMBs zu machen, obwohl die Subprime-Krise gezeigt hat, dass sich diese Technik nicht wirklich bewährt. Auf Anfrage wollte sich die Pressesprecherin der Deutschen Bank in New York dazu nicht äussern. (Quelle: Bloomberg, 28.9.2012)

Trotz der schmerzlichen Erfahrung der UBS im Jahr 2008, als sie durch die in der Subprime-Krise erlittenen Verluste ohne staatliche Hilfe in Konkurs gegangen wäre, beteiligt sie sich nun erneut an diesen Geschäften. Die amerikanische Filiale UBS Real Estate Securities vergibt kommerzielle Hypotheken und kauft Hotels, Supermärkte und Büroimmobilien mit dem Ziel, diese wieder zu verkaufen. In weniger als sechs Monaten hat die Bank auf diese Weise knapp 1.5 Mia. $ eigene Mittel eingesetzt, bevor sie die Forderungen weiter verkauft hat. Gemäss einem Kadermann der New Yorker Filiale werden die Darlehen innerhalb weniger Monate verbrieft und als CMBS in Umlauf gebracht, um im Falle einer Trendwende am Markt nicht auf unverkäuflichen Supermärkten etc. sitzen zu bleiben. Am 4. Dezember 2012 hat die UBS CMBS für weitere 1.5 Mia. $ auf dem Markt platziert. Gekauft werden die Papiere von Versicherungen, Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern. Laut UBS existiert z.B. für den UBS-B 2012 C3 praktisch kein Verlustrisiko, weil dazu 30% der Forderungen ausfallen müssten, was sie als beinahe unmöglich einschätzt. Tatsächlich reicht für diese Situation aber bereits der Zusammenbruch von nur vier Supermärkten, was vor dem Hintergrund aktueller Wirtschaftsprognosen leider gar nicht so unwahrscheinlich erscheint.

Sowohl die SNB als auch die Finma wollten sich offiziell zu diesen Geschäften der UBS nicht äussern. Inoffiziell scheint aus dem Inneren der SNB jedoch zu verlauten, dass sie solange an diesen Transaktionen nichts auszusetzen habe, als die UBS diese Produkte nicht in ihrer Bilanz behalte und sich damit begnüge, diese an andere weiter zu verkaufen (Quelle: Le Matin Dimanche, 7.10.2012 und 9.12.2012). Diese Haltung ist schon sehr erstaunlich, wird damit doch nun die Versicherungsbranche einer ähnlichen Gefahr ausgesetzt wie die Finanzbranche 2008. Die volkswirtschaftlichen Folgen eines allfälligen Zusammenbruchs von grossen Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen dürften wohl nicht weniger gravierend sein als diejenigen des Bankrotts grosser Finanzunternehmen.

Das Verhalten der UBS ist auch für den Ruf der Universität Zürich im Allgemeinen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät im Speziellen problematisch, weil sie mit eben gerade dieser UBS, die trotz Finanzkrise, Fast-Bankrott und staatlicher Rettung mindestens zu einem Teil immer noch „business as usual“ betreibt, eine Kooperation eingegangen ist. Die Universität Zürich als Träger des Vertrauens unserer Gesellschaft, die ihr die Aufgabe auferlegt hat, ihr durch die ständige Suche nach einem besseren Verständnis der realen Welt und durch die Weitergabe dieses Wissens zu dienen, sollte solchen Sponsoring-Verträgen strenge Anforderungen zu Grunde legen und ein verantwortungsvolles und tatsächlich nachhaltiges Verhalten der möglichen Partner verlangen.

2 Comments

  • 1
    Stephan Olajide Hüsler
    2. January 2013 - 15:53 | Permalink

    Danke für diesen Artikel.
    Eines der Hauptprobleme besteht darin, dass eine Organisation wie die UBS (und keinesfalls nur diese) über kein adäquates Geschäftsmodell zur Bereitstellung solcher verbrieften Anlagen verfügt. Die grundsätzliche Problematik ist in deren Einschätzung des Risikos zu suchen, welches auf ein zwar anerkanntes und vom Kunden (hier die Versicherung) geteiltes Modell basiert.
    Das Risiko (sowie der erwartete Ertrag) wird hauptsächlich aufgrund von Preiskorrelationen berechnet und folgt nicht fundamentalen Einschätzungen jedes einzelnen Bestandteils des verbrieften Gefässes. Die Verbriefung, d.h. die Bündelung verschiedener Investments ermöglicht somit die Verschleierung der tatsächlichen Risiken und fokussiert die Diskussion auf finanzmathematische Risiken welche unglücklicherweise heute praktisch allen Finanztransaktionen zugrundeliegen, häufig aber, wie in diesem Falle, nicht relevant und im Gegenteil sehr risikobehaftet sind.
    Es wird heute nach wie vor so gewirtschaftet als ob man Risiken mathematisch verstehen und auch verwalten könne. Ich schlage vor, dass man sich auf frühere Zeiten besinnt als man den Umgang mit Risiken mit institutionellen Regelungen und Rahmenbedingungen zu pflegen suchte.

  • 2
    9. January 2014 - 07:10 | Permalink

    I agree with your point of view of this article. This is
    a good article. Very timely given us so much useful information. Thank you!

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