Hat das Risikokomitee der UBS im Devisenskandal versagt?

Anita Greil, Pressesprecherin bei der UBS, widerspricht. Die Arbeit des Risikoausschusses des Verwaltungsrats werde von den Behörden nicht infrage gestellt. «Laut der Finma wurden die Organisation und die Kontrollen im Bereich Devisen- und Edelmetallhandel verbessert. Und die US-Kontrollbehörde CFTC anerkennt, dass wir signifikante Schritte unternommen haben, um die internen Kontrollen und Leitlinien im Devisenhandel zu stärken.» Auch bezüglich der Unternehmenskultur habe sich viel verändert. «Boni werden heute länger einbehalten als bei den meisten Wettbewerbern, die Investmentbank wurde verkleinert und Kontrollen wurden massiv verstärkt.» (Hochbezahlte Risiko-Manager, in: Tages-Anzeiger, 18.11.2014.)

Die Unternehmenskultur als die im Unternehmen geteilten gemeinsamen Werte und Normen, die den grundlegenden Rahmen für die Handlungen und das Verhalten der Mitarbeiter darstellen und damit eine implizite Steuerungsfunktion wahrnehmen, scheinen in der UBS noch keine ausreichende Veränderung erfahren zu haben. Die von Frau Greil erwähnten Aspekte sind Teil der Unternehmensstrategie und der Massnahmen zur Realisierung dieser Strategie. Da sich Strategie und Kultur gegenseitig bedingen, widerspiegeln diese Aspekte höchstens sichtbare Artefakte der Unternehmenskultur, was aber noch nicht heisst, dass sich die tiefer liegenden Werte und Normen tatsächlich verändert haben. Dafür muss der Verwaltungsrat, zu dessen unübertragbaren Aufgaben gemäss Gesetz die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen gehört, eine die Unternehmensstrategie unterstützende Unternehmenskultur entwickeln sowie die zu deren Realisierung notwendigen Weisungen erteilen. Dabei darf es sich nicht nur um sichtbare Elemente der Unternehmenskultur handeln, sondern es müssen vielmehr konkrete Werte und Normen formuliert werden, die überall dort als impliziter Steuermechanismus funktionieren, wo es eben keine expliziten Regulierungen und Kontrollen gibt. Da sich diese tiefer liegende Ebene der Unternehmenskultur nicht von heute auf morgen verändern lässt, könnte es also durchaus sein, dass wir noch nicht den letzten Skandal erlebt haben.

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