Die Wirtschaft und die Steuerzahler brauchen einen starken Schutz gegen das zunehmend kasino-artige Finanzsystem

Diese Forderung entstammt einem Brief, den der demokratische Senator Carl Levin Anfang November dem amerikanischen Finanzministerium, der Notenbank und den Regulierungsbehörden geschrieben hat. Mächtige Interessenvertreter scheinen die im Juli verabschiedete Reform des US-Finanzsektors untergraben zu wollen. Gemäss dieser Reform sollen Grossbanken keinen Eigenhandel mehr betreiben und sich nur noch in sehr beschränktem Umfang an Hedge- oder Private Equity-Funds beteiligen dürfen. Obwohl es damit für Banken schwieriger geworden ist in Hedge-Funds zu investieren, zeigen aktuelle Entwicklungen, dass man in der Finanzbranche nicht viel Zeit verstreichen lässt, um die Schlupflöcher dieser neuen Regulierungen mit neuen Geschäftsmodellen auszunützen.

So hat beispielsweise JP Morgan Chase Ende Oktober für 6 Mrd. $ einen Mehrheitsanteil an dem brasilianischen Hedge-Fund Gavea Investimentos und die Credit Suisse im September für 425 Mio. $ eine Beteiligung von 30% am Hedge-Fund York Capital Management erworben. Da die Credit Suisse mit diesem Engagement nicht direkt in die Fonds sondern nur in die Managementgesellschaft investiert, gerät sie nicht in Konflikt mit der neuen Regulierung, bietet ihren Kunden aber trotzdem die Möglichkeit, in diese Hedge-Funds zu investieren. Ein wesentliches Merkmal dieser Hedge-Funds besteht in ihrer spekulativen Anlagestrategie, welche einerseits mit der Chance auf sehr hohe Renditen, andererseits aber auch mit einem entsprechend hohen Risiko verbunden ist. Umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass im Rahmen der Hedge-Fund-Regulierung bis jetzt keine einschränkenden  Vorschriften zur Verschuldung (Leverage-Effekt) erlassen wurden.  Gerade in Zeiten zunehmender Renditeerosion besteht die Gefahr, dass die Hebelung der Fondsvermögen deutlich steigen könnte. Gemäss Analysten der Bank of America bzw. der Firma Hedge Fund Research haben Hedge-Funds mit Anlagestrategien wie sie die York Capital verfolgt, in diesem Jahr Anlagerenditen zwischen 1 und 3 Prozent erzielt. Ausserdem haben dieses Jahr bereits einige bekannte Hedge-Fund-Manager aufgrund nicht zufriedenstellender Performance ihre Hedge-Funds geschlossen. Obwohl die Finanzbranche gerade mit der Bewältigung der schlimmsten Krise seit der grossen Depression kämpft, das Schweizer Bankensystem durch diese Krise 59% des gesamten Aktienkapitals des nationalen Bankensystems verloren und damit im internationalen Vergleich den grössten Verlust erlitten hat, scheint es gewissen Playern der Finanzbranche immer noch an der nötigen Eigenverantwortung zu fehlen.

2 Comments

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    21. August 2015 - 08:23 | Permalink

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