Zürcher Professor schlägt Lösung für EU-Schuldenproblematik vor

Die Schulden steigen, Finanzminister ventilieren, Länder wie Griechenland schieben den Kollaps seit Jahren vor sich her. Ein Vorschlag für eine Lösung kommt nun von Marc Chesney, Professor für «Quantitative Finance» an der Universität Zürich.

1914-2014: Krisen im Vergleich

Prof. Dr. Marc Chesney wird am Donnerstag, den 18. Dezember 2014 im Rahmen der Interdisziplinären Ringvorlesung “1914” ein Referat zum Thema “1914-2014: Krisen im Vergleich” halten. Die Veranstaltung wird an der Universität Zürich-Zentrum, Eingang Karl-Schmid-Str. 4 im Hörsaal F 180 von 18.15 Uhr bis 20.00 Uhr stattfinden. Der Eintritt ist frei.

http://www.uzh.ch/outreach/events/rv/2014hs/1914/RVL_UZHi_Flyer_HS2014.pdf

 

Hat das Risikokomitee der UBS im Devisenskandal versagt?

Anita Greil, Pressesprecherin bei der UBS, widerspricht. Die Arbeit des Risikoausschusses des Verwaltungsrats werde von den Behörden nicht infrage gestellt. «Laut der Finma wurden die Organisation und die Kontrollen im Bereich Devisen- und Edelmetallhandel verbessert. Und die US-Kontrollbehörde CFTC anerkennt, dass wir signifikante Schritte unternommen haben, um die internen Kontrollen und Leitlinien im Devisenhandel zu stärken.» Auch bezüglich der Unternehmenskultur habe sich viel verändert. «Boni werden heute länger einbehalten als bei den meisten Wettbewerbern, die Investmentbank wurde verkleinert und Kontrollen wurden massiv verstärkt.» (Hochbezahlte Risiko-Manager, in: Tages-Anzeiger, 18.11.2014.)

Die Unternehmenskultur als die im Unternehmen geteilten gemeinsamen Werte und Normen, die den grundlegenden Rahmen für die Handlungen und das Verhalten der Mitarbeiter darstellen und damit eine implizite Steuerungsfunktion wahrnehmen, scheinen in der UBS noch keine ausreichende Veränderung erfahren zu haben. Die von Frau Greil erwähnten Aspekte sind Teil der Unternehmensstrategie und der Massnahmen zur Realisierung dieser Strategie. Da sich Strategie und Kultur gegenseitig bedingen, widerspiegeln diese Aspekte höchstens sichtbare Artefakte der Unternehmenskultur, was aber noch nicht heisst, dass sich die tiefer liegenden Werte und Normen tatsächlich verändert haben. Dafür muss der Verwaltungsrat, zu dessen unübertragbaren Aufgaben gemäss Gesetz die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen gehört, eine die Unternehmensstrategie unterstützende Unternehmenskultur entwickeln sowie die zu deren Realisierung notwendigen Weisungen erteilen. Dabei darf es sich nicht nur um sichtbare Elemente der Unternehmenskultur handeln, sondern es müssen vielmehr konkrete Werte und Normen formuliert werden, die überall dort als impliziter Steuermechanismus funktionieren, wo es eben keine expliziten Regulierungen und Kontrollen gibt. Da sich diese tiefer liegende Ebene der Unternehmenskultur nicht von heute auf morgen verändern lässt, könnte es also durchaus sein, dass wir noch nicht den letzten Skandal erlebt haben.

Der Kunde soll wieder König werden – auch in der Finanzindustrie

In der NZZ vom 12. November 2014 liessen sich u.a. folgende Worte in einem Kurzbeitrag finden: „Immer mehr Banken entdecken den Kunden und stellen ihn in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen. (…) Das sind völlig neue Töne. (…) Hinter dem Paradigmenwechsel steht weniger die Sorge um das pekuniäre Wohl des Kunden. Vielmehr bleibt den Banken kein anderer Weg, (…). (…) Niemand kann es sich länger erlauben, den Kunden als Störenfried wahrzunehmen, der einem die Zeit stiehlt. Wer das nicht einsieht, wird vom Markt verschwinden.“ (Gallarotti, E.: Der Kunde hat Hochkonjunktur, in: NZZ, 12.11.2014, S. 24.)

Wir leben in einer hochtechnologisierten, auf ständigen Fortschritt und ökonomisches Wachstum bedachten Welt, in welcher offensichtlich eine bahnbrechende neue Erkenntnis gewonnen wurde: Die Banken scheinen ihren Kunden zu entdecken!

Ist es möglich, dass diese Aussage tatsächlich in einem NZZ-Artikel von heute erscheint? Dass der Kunde und seine Bedürfnisse für ein Unternehmen, ganz unabhängig davon, in welcher Branche dieses tätig ist, im Vordergrund stehen sollten, ist nun wirklich nichts neues. Erste Ansätze dazu lassen sich schon zu Beginn der Industrialisierung am Anfang des letzten Jahrhunderts im Rahmen des Massenmarketings erkennen. Diese Erkenntnis hat sich dann über verschiedene Stationen hinweg bis zum heute verbreiteten „Customer Relationship Management“ entwickelt. Auch für die Finanzbranche scheint dieser Begriff mindestens auf dem Papier oder dem Internet kein Fremdwort zu sein, auch wenn uns die Erfahrung schmerzlich gelehrt hat, dass es viele Banken damit nicht ernst meinen, und sie primär an ihrer eigenen Profitabilität interessiert sind. Wie ist es also möglich, dass sich die selbst hochtechnologisierten und äusserst komplexe Produkte anbietenden Banken erst jetzt auf dieses für den nachhaltigen und damit langfristigen Erfolg so grundlegende Prinzip tatsächlich zurückbesinnen wollen?

Die für den nachhaltigen Erfolg so wesentlichen Kundenbedürfnisse scheinen in der Unternehmensstrategie, mit der die längerfristige Ausrichtung des Unternehmens festgelegt wird, seit vielen Jahren keine adäquate Rolle mehr gespielt zu haben. Dafür ist das Top-Management, das die Unternehmensstrategie entwickelt und der Verwaltungsrat, der gemäss Gesetz für die Oberleitung der Gesellschaft und entsprechend mindestens für die Absegnung der Strategie zuständig ist, verantwortlich. Für die Umsetzung der Unternehmensstrategie braucht es aber auch eine auf diese abgestimmte Kultur und Struktur des Unternehmens. Insofern dürfte es nicht reichen, wenn die Banken, wie im oben aufgeführten NZZ-Artikel beschrieben, ihre Angebotspalette kundengerechter ausgestalten. Obwohl damit ein Schritt in die richtige Richtung unternommen wird, dürfte der Kunde wohl erst wieder König werden, wenn ihm auch in der Strategie und Kultur der Banken auf längere Sicht wieder die ihm gebührende Bedeutung zukommt. Solange die Banken mit immer neuen Skandalen, die für ihre Kunden negative Auswirkungen haben, Schlagzeilen machen, fällt es einem schwer zu glauben, dass sie sich tatsächlich auf den Weg zu einer grundlegenden Erneuerung ihrer Strategien und Kulturen gemacht haben.

Der Frieden als Tummelplatz für Ellbögler und Aufschneider

Im NZZ-Folio vom Oktober 2014 bin ich auf einen interessanten Artikel mit dem Titel „Krieg und Frieden“ gestossen. Darin nimmt Luca Turin Bezug auf das Buch „Most Secret War“ von Reginald Victor Jones, das von dessen Arbeit als stellvertretendem Leiter der Forschungsabteilung des britischen Geheimdienstes im zweiten Weltkrieg handelt. Zum Nachwort dieses Buches, das Turin bereits Anfang der 1980er Jahre gelesen hat, schreibt er: „Jones erklärt dort, dass kaum war der Krieg zu Ende, auch der gnadenlose Selektionsprozess aufhörte, der dafür gesorgt hatte, dass die Unfähigen und Mittelmässigen der grossen Anstrengung des Krieges keinen Schaden zufügen konnten. Die Dummköpfe kamen sofort wieder aus der Deckung und übernahmen das zivile Leben. (…) Der Frieden (…) ist der ideale Tummelplatz für streitsüchtige Ellenbögler und Aufschneider jeder Couleur. Ihre Dummheit wird selten bestraft, weil die Folgen schwer zu ermessen sind oder erst dann deutlich werden, wenn die Grossschwätzer bereits auf höhere Positionen befördert wurden.“

Ohne pauschalisieren zu wollen, scheinen gewisse Parallelen zu unserer Zeit doch unverkennbar zu sein. Wir kämpfen mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise, die uns die aus dem „War for Talents“ hervorgegangenen angeblich besten und deshalb hoch dotierten Führungskräfte der Finanzbranche beschert haben. In ökonomisch ruhigen Gewässern haben sie sich auf dem Oberdeck in ihren Erfolgen gesonnt und sich feiern lassen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die hoch komplexe Maschinerie im Rumpf durch bewusst klein dimensionierte Bullaugen nicht zu stark erhellt wurde. Die wahren Fähigkeiten eines Kapitäns zeigen sich aber erst in stürmischen Gezeiten. Auch sechs Jahre nach Ausbruch des Sturms hat es die Mehrheit der Kapitäne – nicht nur aus der Finanzbranche – noch immer nicht geschafft, den Sturm hinter sich zu lassen. Hoffentlich bedarf es keines Tsunamis, um, wo nötig, weise Kapitäne mit Vernunft und scharfem Verstand hervorzubringen.

Weiterbildungskurs in Socially Responsible Investments

Gemäß zahlreichen Studien ist in den letzten zehn Jahren der Bereich der «Responsible Investments» überproportional gewachsen und hat damit das Wachstum der meisten anderen Investmentstrategien übertroffen. Vermögensbesitzer und -verwalter werden zunehmend auf das Thema aufmerksam. Immer mehr Anleger erkennen, dass Umwelt-, Sozial- und Governance (ESG)-Faktoren Einfluss auf das langfristige Risiko- und Ertragsprofil Ihrer Investmentportfolios haben können. SRI verbinden wirtschaftlichen Anlageerfolg mit einem positiven Beitrag für die Gesellschaft, die Umwelt und das Gemeinwesen. Auffällig ist die Vielfalt, die sich hinter dem Begriff «SRI» verbirgt. Investoren und Berater benötigen daher fundierte Kenntnisse für das breite Spektrum von «SRI».

Weitere Informationen zu diesem Weiterbildungskurs finden Sie unter folgendem Link:

Socially Responsible Investments Executive Course UZH November 2014 (pdf)

Le sponsoring universitaire sous tension entre intérêts publics et privés

Les moyens publics mis à la disposition des universités pour mener à bien leurs tâches d’enseignement et de recherche restent souvent en de ça de leurs véritables besoins. Ceux-ci connaissent une augmentation due principalement aux croissances simultanées du nombre d’étudiants, des contraintes implicitement imposées par les classements internationaux et des charges administratives. La pression qui en résulte incite les universités à trouver des sources de financement privées.

Article dans Le Temps, 21.8.2014 (pdf)

CAS Nachhaltige Entwicklung – Die Finanzsphäre und ihre Systemrisiken

Am 15. und 16. Oktober 2014 findet im Rahmen des CAS Nachhaltige Entwicklung des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern ein Modul zum Thema “Die Finanzsphäre und ihre Systemrisiken” statt. Weitere inhaltliche Informationen und die Koordinaten für die Anmeldung finden Sie im unten aufgeführten Flyer.

CAS-Modul Finanzsphäre und ihre Systemrisiken (pdf)

“Die Bevölkerung leidet unter einem Finanzkrieg”

Marc Chesney zieht Parallelen zwischen dem Kriegsjahr 1914 und heute. Der Zürcher Finanzprofessor sagt, was bei Banken falsch läuft und wie alle Schweizer von einer Finanzsteuer profitieren würden.

Artikel in der Handelszeitung, 31.7.2014 (pdf)

Umstrittenes Universitätssponsoring

Welchen Anforderungen müssen ausgewogene Sponsoring-Verträge an Universitäten genügen? Zu unterscheiden sind wissenschaftsethische, finanzielle und organisatorische Kriterien.

Artikel in der NZZ, 23.7.2014 (pdf)